Content Delivery NetworksRatgeber

CDN oder Hosting: wer macht was?

Beim Hosting läuft deine Website: Dort liegen Dateien, Datenbank und Programmcode, und dort entstehen die Seiten. Ein CDN steht davor, speichert Kopien an vielen Standorten und liefert sie aus, ersetzt den Server aber nicht. Die meisten Websites brauchen ein Hosting, ein CDN ist eine Ergänzung für Tempo, Entlastung und Schutz.

Luftbild eines großen Lagers auf dem Land, von dem Straßen zu mehreren kleinen Depots führen
Bild: KI-generiert

Hosting und CDN werden oft in einem Atemzug genannt, und manche Anbieter verkaufen beides zusammen. Die Aufgaben sind trotzdem verschieden. Das Hosting ist der Ort, an dem deine Website läuft. Das CDN ist ein Netz von Zwischenstationen, das Kopien davon näher an die Besucher bringt. Ein CDN ergänzt also einen Server, es braucht ihn sogar als Quelle [1].

Was das Hosting leistet

Ein Webhoster stellt die Rechner bereit, auf denen deine Website betrieben wird. Dort liegen die Dateien der Website, also HTML, Bilder, Skripte und hochgeladene Medien. Dort läuft das Content-Management-System, etwa WordPress, und dort arbeitet die Datenbank, aus der es die Inhalte holt. Bei dynamischen Seiten setzt der Server jede Seite beim Abruf aus Vorlage und Datenbank zusammen. Viele Hoster bieten zusätzlich E-Mail-Postfächer und die Verwaltung der Domain an.

Techniker um die vierzig prüft mit einer Taschenlampe die Kabel an einem einzelnen Serverrack
Bild: KI-generiert

Im Zusammenspiel mit einem CDN heißt dieser Server Origin. Er ist die einzige maßgebliche Quelle deiner Inhalte. Ändert sich dort eine Datei, müssen sich die Kopien im CDN danach richten. Welche Arten von Hosting es gibt, vom geteilten Webspace bis zum eigenen Server, erklärt der Beitrag Webhosting-Arten: Shared Hosting, vServer und Cloud.

Was ein CDN leistet

Ein CDN ist eine Gruppe von Servern an vielen Orten, die Kopien von Daten vorhalten. Eine Anfrage beantwortet jeweils der Server, der dem Besucher am nächsten liegt [2]. Holt ein Besucher eine Datei zum ersten Mal ab, fragt das CDN beim Origin nach und speichert die Antwort. Weitere Besucher bekommen die Kopie aus dem Zwischenspeicher, der Origin muss nicht mehr antworten [1].

Grauer Paketschrank an einer ruhigen Straßenecke in einem Wohnviertel bei Tageslicht
Bild: KI-generiert

Daraus ergeben sich die Vorteile, die Amazon in seiner Beschreibung nennt: kürzere Ladezeiten, weniger Datenverkehr am Origin und damit niedrigere Hostingkosten, bessere Verfügbarkeit, weil andere CDN-Server einspringen, wenn einer ausfällt, und ein besserer Schutz bei Lastspitzen und Angriffen, weil sich die Last auf viele Server verteilt [1]. Wie das im Detail funktioniert, steht im Beitrag Was ist ein CDN?.

Seine Grenze hat das CDN bei dynamischen Inhalten. Muss eine Seite für jeden Besucher neu erzeugt werden, etwa ein Warenkorb oder ein Kundenkonto, geht die Anfrage weiter zum Origin [1]. Auch HTML-Seiten, die für alle gleich aussehen, speichern manche CDNs nur mit eigener Regel. Cloudflare etwa hält HTML von sich aus nicht im Cache vor [3].

Hosting und CDN im direkten Vergleich

AufgabeHostingCDN
Website-Dateien dauerhaft speichernja, als Originalnur Kopien auf Zeit
Datenbank und Programmcode ausführenjanein, außer Zusatzdienste für Code am Netzrand
Seiten für einzelne Besucher erzeugenjanein, leitet an den Origin weiter
Standortemeist ein Rechenzentrumviele Standorte weltweit
Lastspitzen abfangenbegrenzt durch die eigene Leistungverteilt die Last auf viele Server
E-Mailbei vielen Hostern enthaltennein

Wo sich die Aufgaben überschneiden

Einige Aufgaben übernehmen beide Seiten, und dort entstehen die meisten Missverständnisse.

Das gilt zuerst für Zertifikate. Der Hoster stellt ein Zertifikat für den Origin aus, das CDN eines für die Strecke zum Besucher. Bei Cloudflare ist ein Universal-SSL-Zertifikat im Gratistarif enthalten [4]. Damit auch die Strecke zwischen CDN und Server geschützt ist, braucht der Origin weiter ein eigenes gültiges Zertifikat.

Beim DNS kann es zu Überraschungen kommen. Bei Cloudflare übernimmt der Anbieter in der Standardeinrichtung die Nameserver der ganzen Domain [5]. Die DNS-Verwaltung beim Hoster ist dann außer Kraft. Wer dort E-Mail betreibt, muss die MX-Einträge vorher zu Cloudflare übertragen, sonst kommen keine Mails mehr an.

Auch beim Schutz vor Angriffen teilen sich beide die Arbeit. Viele CDNs filtern Überlastungsangriffe, bei Cloudflare gehört ein DDoS-Schutz ohne Mengengrenze für die Schichten 3 bis 7 zu allen Tarifen [6]. Manche Hoster haben eigene Filter. Ein CDN schützt den Origin aber nur, solange Angreifer dessen IP-Adresse nicht kennen und ihn nicht direkt ansprechen.

Bei der Domain selbst gibt es dagegen keine Überschneidung. Registriert ist sie bei einem Registrar, oft über den Hoster. Das CDN registriert keine Domain, es wird nur über DNS-Einträge eingebunden. Wer die Nameserver zu einem CDN umstellt, macht das deshalb in der Domainverwaltung beim Registrar oder Hoster. Liegt die Domain bei einem Hoster, der das Ändern der Nameserver nicht erlaubt, bleibt nur der Weg über eine Pull-Zone mit CNAME-Eintrag oder ein Umzug der Domain. Klär das, bevor du dich für ein CDN mit Nameserverwechsel entscheidest, denn ein Domainumzug braucht Zeit und einen Auth-Code des bisherigen Anbieters.

Wann ein Hosting ohne CDN reicht

Nicht jede Website braucht ein CDN. Für ein Intranet oder ein internes Werkzeug, dessen Nutzer im selben Netz sitzen, bringt es nichts. Für eine Testumgebung während der Entwicklung ist es eher hinderlich, weil Änderungen durch den Cache verzögert erscheinen. Bei einer kleinen Website mit regionalem Publikum und einem Server in der Nähe fällt der Gewinn gering aus. Ob sich ein CDN trotzdem lohnt, zeigt eine Messung. Welche Werte ein CDN verbessert und welche nicht, erklärt der Beitrag Was ein CDN für Ladezeit und Core Web Vitals bringt.

Wann ein CDN das klassische Hosting ersetzt

Bei statischen Websites, die vorab als fertige HTML-Dateien erzeugt werden, kann ein CDN-Dienst die Rolle des Hostings übernehmen. Die Dateien liegen dann in einem Speicher des Anbieters statt auf einem eigenen Webserver. Bunny.net etwa erlaubt als Quelle einer Pull-Zone neben einer Website-Adresse auch eine eigene Storage-Zone [7]. Cloudflare bietet mit Pages und Workers Plattformen an, auf denen ganze Anwendungen direkt im Netz des Anbieters laufen. Für neue Projekte empfiehlt Cloudflare inzwischen Workers [8].

Einen Origin gibt es auch hier, er liegt nur beim selben Anbieter. Datenbank, Formulare oder Logins brauchen bei solchen Lösungen eigene Zusatzdienste.

Die richtige Reihenfolge beim Optimieren

Ein CDN macht einen langsamen Server nicht schnell. Solange die HTML-Seite nicht aus dem Cache kommt, wartet jeder Besucher auf die Antwort des Origins. Wenn eine überlastete Datenbank oder viele Erweiterungen die Seite bremsen, hilft das CDN nur bei Bildern, Skripten und Stylesheets.

Hand setzt den obersten von drei gestapelten Holzbausteinen auf einen hellen Schreibtisch
Bild: KI-generiert
  1. Server prüfen: aktuelle PHP-Version, ausreichend Arbeitsspeicher, ein Tarif, der zum Besucheraufkommen passt.
  2. Seiten am Server zwischenspeichern, bei WordPress mit einem Cache-Plugin. Hintergrund zum System steht im Beitrag WordPress: Stärken, Grenzen und Kosten.
  3. Danach das CDN davorschalten und die Cache-Regeln anpassen.

Was bei einem Ausfall passiert

Mit einem CDN hängt die Erreichbarkeit deiner Website an zwei Diensten. Beide können ausfallen, und die Folgen sind verschieden.

Fällt der Origin aus, kann ein CDN Teile der Website weiter ausliefern, solange Kopien im Cache liegen. Cloudflare kennzeichnet solche Antworten mit "cf-cache-status: STALE": Die abgelaufene Kopie kam aus dem Cache, weil der Origin nicht erreichbar war [9]. Alles, was nicht im Cache liegt, etwa Formulare, Suchergebnisse oder der Login, funktioniert dann nicht. Ohne CDN wäre die ganze Website weg.

Fällt das CDN aus, ist die Website für Besucher nicht erreichbar, auch wenn dein Server einwandfrei läuft. Die DNS-Einträge zeigen ja auf das CDN. Abhilfe schafft nur, die Einträge wieder direkt auf den Server zu richten, und das wirkt erst, wenn die Gültigkeitsdauer der alten Einträge abgelaufen ist. Wer diesen Fall einplant, hält die Adresse des Servers und die ursprünglichen DNS-Einträge griffbereit.

Zwei Rechnungen statt einer

Hosting wird meist als fester Monatstarif abgerechnet. CDNs rechnen unterschiedlich ab. Amazon CloudFront etwa berechnet nach Verbrauch, also nach übertragener Datenmenge und Anfragen, bietet seit dem 18.11.2025 aber auch Pauschaltarife ohne Zusatzkosten an [10]. Bunny.net arbeitet mit einem vorausbezahlten Guthaben [11]. Für die Kalkulation bedeutet das: Die Hostingkosten kennst du vorher, die CDN-Kosten hängen bei Abrechnung nach Verbrauch vom Besucheraufkommen ab. Im Gegenzug sinkt die Last auf dem Server, weil das CDN einen Teil der Anfragen übernimmt [1]. Manchmal reicht dadurch ein kleinerer Hostingtarif.

Datenschutz: zwei Dienstleister statt einem

Mit einem CDN verarbeitet ein zweiter Dienstleister die Daten deiner Besucher, mindestens deren IP-Adressen. Für beide brauchst du eine rechtliche Grundlage, und beide gehören in die Datenschutzerklärung. Sitzt der CDN-Anbieter außerhalb der EU, kommen Fragen zur Übermittlung in Drittländer dazu. Mehr dazu steht in den Beiträgen Hosting und DSGVO und CDN und DSGVO.

  1. Organisation What is a CDN?. Amazon Web Services. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation CDN (Glossary). MDN Web Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Default cache behavior. Cloudflare Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Network and CDN plans. Cloudflare. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Zone setups. Cloudflare Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation DDoS Protection. Cloudflare Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation CDN Quickstart. bunny.net Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Cloudflare Pages. Cloudflare Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Cloudflare cache responses. Cloudflare Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Introducing flat-rate pricing plans with no overages. AWS Networking and Content Delivery Blog. Stand 18.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation FAQ: Trials and billing. bunny.net Docs. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.