Domains und SubdomainsRatgeber
Umlaut-Domains und Punycode: so funktionieren ä, ö, ü und ß
Umlaut-Domains heißen auch IDN (Internationalized Domain Names). Das DNS arbeitet nur mit einfachen ASCII-Zeichen, deshalb wandeln Browser und Programme einen Namen wie müller.de per Punycode in xn--mller-kva.de um. Bei .de sind Umlaute seit dem 01.03.2004 erlaubt, das ß seit dem 16.11.2010.

müller.de, bäckerei-schäfer.de, straße.de: Domains mit Umlauten und ß lassen sich bei .de seit vielen Jahren registrieren. Im Browser sehen sie aus wie jede andere Adresse. Im Hintergrund arbeitet das Internet aber mit einer anderen Schreibweise, die mit xn-- beginnt. Wer eine Umlaut-Domain nutzen will, sollte wissen, wie diese Umwandlung funktioniert und an welchen Stellen sie hakt.
Was IDN und Punycode bedeuten
Domains mit Zeichen außerhalb des einfachen lateinischen Alphabets heißen Internationalized Domain Names, kurz IDN. Das Domain Name System selbst wurde für Buchstaben ohne Akzente, Ziffern und den Bindestrich gebaut. Damit trotzdem Umlaute, Akzente oder ganz andere Schriften möglich sind, gibt es ein Übersetzungsverfahren in den Programmen, die eine Domain aufrufen.

Dieses Verfahren heißt Punycode. Es ist seit März 2003 in RFC 3492 festgelegt und wandelt eine Zeichenfolge in Unicode umkehrbar in eine Folge aus Buchstaben, Ziffern und Bindestrichen um [1]. Die ASCII-Zeichen bleiben dabei stehen, die übrigen Zeichen werden am Ende kodiert angehängt. Aus "müller" wird so "mller-kva".
Damit das DNS erkennt, dass es sich um einen umgewandelten Namen handelt, kommt die Vorsilbe xn-- davor. Die heute gültige Regelfamilie IDNA2008 nennt die lesbare Form U-Label und die umgewandelte Form A-Label. Jedes A-Label beginnt mit xn-- [2].
| Lesbare Form (U-Label) | Technische Form (A-Label) |
|---|---|
| müller.de | xn--mller-kva.de |
| dänic.de | xn--dnic-loa.de |
| köln.de | xn--kln-sna.de |
| straße.de | xn--strae-oqa.de |
Das Beispiel dänic.de stammt von der DENIC, die für .de zuständig ist. Sie bietet auf ihrer Website auch einen Konverter an, der in beide Richtungen umrechnet [3]. Die DNS-Einträge liegen immer unter der A-Label-Form. Fragst du sie mit dem DNS-Check oder mit dig ab, bekommst du für beide Schreibweisen dieselben Antworten, weil es dieselbe Domain ist.
Umlaute bei .de: seit 2004, das ß seit 2010
Seit dem 01.03.2004 können .de-Domains Sonderzeichen enthalten. Zum Start kamen 92 zusätzliche Zeichen dazu, darunter ä, ö und ü [4]. Am selben Tag begannen auch die Vergabestellen für .ch und .at mit Umlaut-Domains [5].
Das ß fehlte damals. Die ältere Regelfamilie IDNA2003 wandelte es automatisch in "ss" um, sodass straße.de und strasse.de nicht zu unterscheiden waren. Erst mit IDNA2008 wurde das ß ein eigenes Zeichen. Die DENIC lässt es seit dem 16.11.2010 zu [4]. Heute sind laut DENIC insgesamt 93 zusätzliche Zeichen in .de-Domains erlaubt, darunter Buchstaben aus mehreren europäischen Sprachen [3].
Die DENIC wendet IDNA2008 an (RFC 5890 bis 5894), arbeitet mit Unicode 5.2 und nutzt die Kompatibilitätsregeln des Unicode-Standards UTS #46 im sogenannten nicht übergangsweisen Modus [3]. Dieser Modus lässt das ß stehen. Der übergangsweise Modus, der ß in ss umwandelte, gilt im Unicode-Standard inzwischen als veraltet; laut Unicode sind alle großen Umsetzungen auf den nicht übergangsweisen Modus umgestiegen [6].
Wer eine Domain mit ß betreibt, sollte die Schreibweise mit ss deshalb nicht einem Fremden überlassen [3].
Regeln für Länge und Zeichen
Für .de gelten die Domainrichtlinien der DENIC. Erlaubt sind Ziffern, Buchstaben von a bis z, der Bindestrich und die zusätzlichen Zeichen aus dem Anhang. Groß- und Kleinschreibung spielt keine Rolle. Ein Bindestrich darf weder am Anfang noch am Ende stehen und nicht gleichzeitig an dritter und vierter Stelle [7]. Diese letzte Regel hat mit Punycode zu tun: Namen mit zwei Bindestrichen an dritter und vierter Stelle sind nach RFC 5890 für Präfixe wie xn-- reserviert [2].
Die Höchstlänge von 63 Zeichen gilt bei Umlaut-Domains für die A-Label-Form [7]. Ein Name mit vielen Umlauten ist im Browser also kürzer, als er technisch zählt. Da xn-- schon vier Zeichen belegt, bleiben für den kodierten Teil höchstens 59 [2]. Bei kurzen Firmennamen spielt das keine Rolle, bei langen Wortketten mit Bindestrichen kann es knapp werden.
Wie die Registrierung abläuft und wer dabei was übernimmt, steht im Beitrag Domain registrieren.
Wann der Browser xn-- anzeigt
Manchmal steht in der Adresszeile statt müller.de plötzlich die xn--Form. Das ist eine Schutzfunktion. Mit Zeichen aus anderen Schriften lassen sich Adressen bauen, die wie bekannte Domains aussehen, etwa ein "apple" aus kyrillischen Buchstaben. Chrome zeigt deshalb für jeden Teil einer Domain einzeln an, ob er die Unicode- oder die Punycode-Form zeigt [8].

Punycode erscheint in Chrome unter anderem, wenn lateinische, kyrillische und griechische Buchstaben gemischt sind, wenn verschiedene Ziffernsysteme vorkommen oder wenn ein Name vollständig aus Buchstaben besteht, die einem anderen Schriftsystem zum Verwechseln ähnlich sehen [8]. Zusätzlich warnt Chrome bei manchen Aufrufen mit einer ganzen Seite vor Domains, die bekannten Adressen ähneln [8]. Eine normale deutsche Umlaut-Domain mit lateinischen Buchstaben ist davon in der Regel nicht betroffen.
Mehr zu solchen Täuschungen steht auf der Seite Phishing-Mails erkennen.
E-Mail-Adressen mit Umlauten
Bei E-Mail wird es schwieriger. Adressen mit Zeichen außerhalb von ASCII regelt die SMTP-Erweiterung SMTPUTF8 aus RFC 6531 vom Februar 2012 [9]. Ein Mailserver darf eine solche Nachricht nur an einen Server weitergeben, der die Erweiterung ebenfalls anbietet. Unterstützt der nächste Server sie nicht, darf er die internationalisierte Adresse nicht übertragen; die Nachricht wird dann meist abgewiesen oder mit einer Fehlermeldung zurückgeschickt [9]. RFC 6531 sagt selbst, dass es keine Garantie gibt, dass der nächste Server die Erweiterung kennt [9].

Dazu kommen Kontaktformulare, Newsletter-Werkzeuge und Shops, die Adressen beim Eintippen prüfen. Ob sie Umlaute annehmen, hängt von der jeweiligen Software ab. Teste deshalb vor dem Umstieg mit deinen wichtigsten Kontakten und Diensten, ob Mails an info@müller.de ankommen. Wie du ein Postfach mit eigener Domain anlegst, steht im Beitrag E-Mail-Adresse mit eigener Domain einrichten.
Zertifikate und Server-Konfiguration
Auch HTTPS-Zertifikate kennen nur die technische Schreibweise. Nach RFC 9525, das die Prüfung von Servernamen bei TLS regelt, stehen internationalisierte Namen im Zertifikat als A-Label. Der Browser wandelt die Umlautform vor dem Vergleich selbst in die xn--Form um und vergleicht dann nur noch ASCII-Zeichen, ohne auf Groß- und Kleinschreibung zu achten [10]. Wenn du ein Zertifikat beantragst, gehört also xn--mller-kva.de hinein. Viele Verwaltungsoberflächen rechnen das automatisch um, manche erwarten die Eingabe aber schon umgewandelt.
Für die Konfiguration des Webservers und für DNS-Oberflächen gilt dieselbe Vorsicht. Prüfe nach dem Einrichten, ob die Website unter der Umlautform und unter der xn--Form gleich erreichbar ist. Liefert eine der beiden Formen eine Standardseite oder einen Fehler, stimmt meist der eingetragene Servername nicht.
Umlaut-Domain oder Schreibweise mit ae, oe, ue
Eine Umlaut-Domain lohnt sich, wenn der Name so geschrieben wird und Kunden ihn genau so eintippen, zum Beispiel ein Familienname oder eine Marke mit Umlaut. Nachteile hat sie überall dort, wo Menschen die Adresse ohne deutsche Tastatur schreiben oder wo Programme mit Unicode Probleme haben.
In der Praxis registrieren viele Betreiber beide Schreibweisen: müller.de und mueller.de. Eine davon ist die Hauptadresse, die andere leitet mit Status 301 dorthin. So bleibt jede Variante erreichbar, und Suchmaschinen sehen nur eine Adresse. Wie die Weiterleitung auf dem Server aussieht, steht im Beitrag Die .htaccess-Datei. Für E-Mail ist die Schreibweise ohne Umlaut meist die sichere Wahl, auch wenn die Website unter der Umlaut-Domain läuft.
Umlaut-Domains im Alltag prüfen
Ob eine Umlaut-Domain sauber eingerichtet ist, lässt sich in wenigen Schritten prüfen:
- Rechne die Domain mit einem Konverter in die xn--Form um und frage beide Formen im DNS ab. Die Antworten müssen gleich sein.
- Ruf die Website in mehreren Browsern auf und achte darauf, ob die Adresszeile die Umlautform zeigt.
- Prüfe, ob das Zertifikat für die Domain gilt. Im Zertifikat steht der Name in der A-Label-Form.
- Prüfe, ob die Schreibweise mit ae, oe, ue oder ss auf die Hauptadresse weiterleitet.
- Schick Testmails an eine Adresse unter der Umlaut-Domain, von verschiedenen Anbietern aus.
Was eine Domain grundsätzlich ausmacht und wie die Teile zusammenhängen, erklärt der Beitrag Was ist eine Domain?.
- Gesetz RFC 3492: Punycode, A Bootstring encoding of Unicode for Internationalized Domain Names in Applications (IDNA). IETF. Stand März 2003. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz RFC 5890: Internationalized Domain Names for Applications (IDNA), Definitions and Document Framework. IETF. Stand August 2010. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Internationalized Domain Names (IDNs) unter .de. DENIC eG. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Start frei für Sonderzeichen in .de-Domains. Knipp Medien und Kommunikation GmbH (Domain Registration System). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Domain names with umlauts can be registered from March 1 2004. World Trademark Review. Stand 04.12.2003. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Unicode Technical Standard #46: Unicode IDNA Compatibility Processing, Version 18.0.0. Unicode Consortium. Stand 31.08.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation DENIC-Domainrichtlinien. DENIC eG. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation IDN in Google Chrome. The Chromium Projects. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz RFC 6531: SMTP Extension for Internationalized Email. IETF. Stand Februar 2012. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz RFC 9525: Service Identity in TLS. IETF. Stand November 2023. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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